

Edirol PCR-800 und Motif-Rack ES
Oft sehe ich in Foren die Frage, was ist das beste Masterkeyboard? Ich bin froh, dass ich mir diese Frage schon beantwortet habe, denn die Entscheidung war nicht leicht: Es ist das Roland Edirol PCR-800. Da ich Klaviertastaturen gewohnt bin und eine Hammertastatur somit für mich absolut notwendig für ein vernünftiges Spielen ist, kann es sich beim Edirol allerdings nur um ein ergänzendes Gerät handeln, also in Kombination mit einer Klaviertastatur.
Als Klangerzeuger verwende ich für Cover-Projekte ein Yamaha Motif-Rack ES. Da dieses an keine Tastatur gebunden ist, kann ich auch mal bequem ohne Tasten von der Probe nach Hause reisen und dort die Sounds fürs nächste Mal vorbereiten. Doch gerade um die Tasten geht es ja jetzt, und da das Editieren von Sounds an einem Rackgerät ja höchst unkomfortabel ist (meiner Meinung nach ist das in der Rack-Version im Schritt vom ES zum XS noch schlechter geworden, wenn sogar in bestimmten Bereichen unmöglich), hat sich für mich das Edirol als perfekte Tastatur fürs Motif-Rack herausgestellt.
MIDI-Merger
Mein Setup sieht dabei so aus: Unten Klasviertastatur, oben leichtgewichtete Tastatur. Die MIDI-Signale von beiden müssen gemerged werden. So einen Merger hat das Editor gleich eingebaut - den MIDI-IN verbinde ich mit dem OUT vom unteren Key, und schon funktioniert's, ohne ein zusätzliches Gerät (und ohne Kabelage).
Controller
Jaa, das ist die wahre Stärke des Edirols. Mal ganz abgesehen davon, dass sehr viele Knöpfe und Fader vorhanden sind, lassen sich diese sehr vielfältig programmieren - die Möglichkeiten gehen dabei über Control Changes weit hinaus, wie im Folgenden beschrieben.
Möchte man den Motif-Rack über einen Controller per MIDI steuern, lohnt ein Blick in die Betriebsanleitung mit der Aufschrift "Data List". Hier findet man ab Seite 57 die MIDI-Tabelle, der die MIDI-Messages entnommen werden können, über die sich bestimmte Parameter steuern lassen. Beispielsweise die Lautstärke der ersten Parts im Multi-Mode findet man in der Tabelle "MIDI PARAMETER CHANGE TABLE (MULTI PART)" in der 14ten Zeile. Der Befehl beginnt mit 37, gefolgt von 01 für Part 1, danach 0D, und danach der Wert zwischen 01 und 7F. So etwas kann kaum ein Masterkeyboard senden, das Edirol aber schon! Dieses erlaubt nämlich für jeden Controller das Zuweisen von "Free Messages", also einer beliebigen (hexadezimale) Zahlenfolge, die der Empfänger nur verstehen muss. Auf diese Weise kann jedem Fader auf dem Edirol die Steuerung der jeweiligen Partlautstärke zugewiesen werden. Diese lassen sich dann wesentlich schneller regeln, als es über das Menü im Rack möglich wäre.
Control-Maps
Geht man die Liste im Motif-Manual durch, findet man schnell einen Haufen von Parametern, die man gerne direkt über einen Controller steuern würde: Cutoff, EQ, Reverb, Chorus, Reso usw., und das für jeden Part! Dann stellt man fest, dass die 9 + 9 Fader doch nicht mehr reichen. Zum Glück gibt es 16 Control-Maps, also sozusagen Speicherplätze für die Controller-Belegungen, die sich leicht über das Rädchen umschalten lassen.
Ich habe es bei mir so eingerichtet, dass die Control-Maps 1 bis 14 jeweils die Einstellungen für einen bestimmten Part übernehmen, während die letzten beiden Parameter für den gesamten Multi steuern. Im übernächsten Abschnitt werde ich dies genauer beschreiben und auch meine Files zur Verfügung stellen.
Programmierung
Das Zuweisen der Controller-Funktionen geschieht sehr intuitiv über die mitgelieferte PC-Software; beim Übertragen der Daten muss zumindest ich, da Keyboard und PC ein paar Meter voneinander entfernt stehen, ein paar mal hin und her laufen, um auf beiden Seiten Ok zu klicken (PC) bzw. Enter zu drücken (Edirol). Die Einstellungen für die Control-Maps lassen sich natürlich auch abspeichern, und zwar als MIDI-Datei.
Anwendungsfälle
Um mehrere Sounds splitten/layern und auf die zwei Tastaturen verteilen zu können, verwende ich den Multi-Mode. Dieser ermöglicht es (im Gegensatz zum Performance-Mode), das Motif über mehrere MIDI-Kanäle anzusprechen (multitimbral). Ich habe für mich die Konvention festgelegt, dass das obere Key (also das Edirol) immer auf Kanal 1 sendet, während das untere den Kanal 11 verwendet. (Da ich oft unten auch mal ein fremdes Key verwende, muss ich dort immer in den Einstellungen herumsuchen, wo man den Kanal umstellt. Würde ich unten immer Kanal 1 verwenden und oben 11, hätte ich das Problem nicht. Allerdings verwende ich zu Hause zum Editieren der Sounds eine spezielle Software (separater Bericht dazu folgt), die es verlangt, dass das Edirol auf Kanal 1 sendet.) Ebenso Konvention bei mir ist es, dass die ersten 4 Parts die obere Tastatur, die nächsten 4 die untere betreffen. Das erleichtert die Suche. Nun habe ich eine Control-Map, bei dem wie oben beschrieben die (vertikalen) Fader die Lautstärke der einzelnen Parts regeln ("common standard.mid"). Die Potis übernehmen EQ Low, EQ Mid, EQ High Mid, EQ High, --, Send Chorus to Reverb, Reverb Return, Chorus Return.
Sollten einmal 4 Parts pro Tastatur nicht reichen, verwende ich wieder 9-12 für oben und den Rest für unten. Entsprechend dazu habe ich ein weiteres Control-Maps ("common standard 2nd.mid"), bei dem die Fader diese Parts in der Lautstärke regeln.
Bei einem bestimmten Song hatte ich den Fall, dass zwei Voices gelayert sind, aber in einem Zwischenteil die eine Voice "gemuted" werden muss. Leider fehlt hierfür ein passender MIDI-Befehl. Man könnte die Volume auf 0 setzten, aber dann erhält man beim "entmuten" die ursprüngliche Lautstärke nicht mehr zurück. Deshalb habe ich als Lösung die Pads so eingestellt, dass sie den Ausgang des jeweiligen Parts auf den alternativen Ausgang (asn1&2) legen. Beim erneuten Drücken wird sie wieder zurück auf den Main-Out gesetzt. Dies setzt natürlich voraus, dass man die Asn-Ausgänge nicht verwendet. Dieses Hin- und Herschalten erreicht man über das Setzten des Button-Modes auf "Latch", während man die beiden zu wechselnden Werte bei Min/Max-Value eingibt.
Wie oben bereits geschrieben regeln bei mir die ersten 14 Control-Maps die ersten 14 Parts, während in den letzten beiden die eben beschriebenen "common standard"-Belegungen liegen. Das heißt, dass ich die letzten zwei Parts nicht steuern kann, aber das war bisher auch noch nie nötig, da mir meistens sogar nur die ersten acht reichen.
Bei den einzelnen Parts regeln die Potis EQ Low, EQ Mid, EQ High, Pan, Filter Cutoff Frequency, Filter Resonance/Width, Reverb Send, Chorus Send, Dry Level. Der letzte vertikale Fader (S9) regelt nochmal die Lautstärke des Parts.
Da ich manchmal als unteres Key ein fremdes verwende, fehlt dort ab und zu die Möglichkeit ein Expression-Pedal anzuschließen. Aus diesem Grund werden die Control-Changes für das Expression-Pedal in Control-Map 2 auf MIDI-Kanal 11 gesendet und in Control-Map 3 auf Kanal 12. Brauche ich also das Pedal, schalte ich auf die entsprechende Map, und schon gehts.
Wenn ich über das Edirol eine Orgel spiele, ist die Verwendung des Hold-Pedals als Sustain in der Regel überflüssig. Viel lieber steure ich darüber die Leslie-Geschwindigkeit. Diese wird im Motif-Rack über Modulation gesteuert. Allerdings ist das Modulationsrad bei Roland/Edirol (eigentlich ist es ja eher dieser Kombi-Stick) rückstellend, man müsste also für langsamen Speed ständig den Stick hochdrücken. Mit dem Pedal gehts also viel leichter. Es wird auf Latch gesetzt, sodass man durch Drücken zwischen den Speeds umschaltet, und die beiden Werte für CC1 (also Type: Control Change, Number: 1) sind Min: 0 und Max: 127. Das Ganze ist in Control-Map 4 gespeichert.
Da ich manchmal Kombinationen brauche wie "Hold steuert Leslie-Speed" und "Expression auf Channel 11" sind Control-Map 6 bis 9 eben diese Kombis zugewiesen.
Hier kann man meine Dateien runterladen. Die htm-Dateien sind Belegungspläne, die man direkt ansehen kann; in der Archiv-Datei sind die Midi-Files enthalten, die man direkt auf das Gerät spielen kann:
Es sind 10 Dateien vorhanden.
Es sind 7 Dateien vorhanden.
Zusammenfassung
Ich hoffe, ich konnte ein paar Ideen geben, wie man das Edirol verwenden kann, um das sonst recht komplizierte Editieren von Multis im Proberaum oder sogar auf der Bühne zu vereinfachen. Man muss natürlich im Kopf behalten, womit was gesteuert wird. Deshalb lohnt sich ein gutes Planen oder auch das Ausdrucken der Zuweisungen (File->Export Assign List...).
Natürlich wären weitere Speicherplätze noch besser. Oder man stelle sich nur vor, wie toll Motorfader wären, die beim Umschalten der Programme die Fader in die richtige Position bringen. Aber auch so ist das Edirol ein tolles Gerät. Viel spaß damit! :-)
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